Verbeamtung und Psychotherapie - was muss ich wissen?

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Als ich diesen Artikel das erste Mal veröffentlicht hatte, kam ein Kommentar, ob ich denn etwas über die Verbeamtung von Psychotherapeuten schreiben möchte. Es stellte sich schnell heraus, dass das ein Gedankenfehler war.

Also, es geht um das Thema Psychotherapie bei Beamtenanwärtern. Ein heikles Thema. Bei mir und meinen Kollegen gibt es immer wieder Fälle, bei denen Beamte oder Beamtenanwärter Befürchtungen haben, dass eine Psychotherapie von Nachteil für Ihre Karriere sein könnte.

Verbeamtung und Psychotherapie? Geht das?

Kurze Antwort: Ja, es geht. Aber nicht generell.

Aus gutem Grund sind Dienstherren sehr streng damit, was "Eignung, Befähigung und Leistung" bei einem Beamtenanwärter angeht. Beamte haben neben einem besonderen Maß an Privilegien, wie z.B. bei Kündigungsschutz oder Krankenversicherung auch sehr oft erhebliche physische oder psychische Lasten im Dienst zu tragen. Es gilt als erwiesen, dass „vor allem Berufsgruppen mit hoher sozialer Interaktion von Burn-out-Erkrankungen betroffen“ sind [1]. Die zahlreichen „Beamtenwitze“, die diesen Berufsstand generell verunglimpfen, halte ich für eine beschämende Frechheit.

Leider geht es bei den Amtsärzten, die beurteilen müssen, ob der Anwärter nicht vorzeitig dienstunfähig wird, nicht immer völlig gerecht zu. Oft bleiben sie offenbar großzügig auf der sicheren Seite, da der Dienstherr schon bei geringen Zweifeln an der langfristigen Eignung abwinkt und eine Verbeamtung ablehnt. (Quelle: anwalt.de [2])

Aus psychotherapeutischer Sicht müsste zumindest genauer unterschieden werden, ob der Anwärter in einer akuten, vorübergehenden Lebenskrise ist (z.B. unter einer Anpassungsstörung ICD10-F43.2 leidet) oder von einer chronischen Erkrankung betroffen ist. Und genauer, ob und wie die Leistungsfähigkeit des Menschen überhaupt von dieser Belastung eingeschränkt ist.

Ein Beispiel dafür liefert das Ärzteblatt [3]: „Psychische und psychosomatische Erkrankungen kommen dagegen bei Lehrkräften häufiger vor als in anderen Berufen, ebenso unspezifische Beschwerden wie Erschöpfung, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Angespanntheit.“

Wenn Du zum Beispiel nach einem zuvor unbeschwerten Leben unter der Last des Studiums auch noch von Deinem Partner verlassen wurdest, ein naher Angehöriger verstorben ist oder eine andere Belastung dazu kommt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Du Dich davon schnell wieder erholst. Unterstützend kann eine Psychotherapie oder eine psychologische Beratung Dir dabei helfen.

Ungünstig wäre sicherlich, wenn diese Momentaufnahme entscheidend für Deine Verbeamtung wäre. Anders sieht es aus, wenn Du schon länger mit Depression, Zwang, Angst, Panikattacken oder anderen Beeinträchtigungen zu kämpfen hast. Dann solltest Du Dich fragen oder Dir Beratung holen, ob Du auf lange Sicht wirklich für diesen Beruf geeignet bist oder ob Dir eine begleitende Therapie helfen kann.

Bevor Du also eine Beratung oder Therapie über Deine Krankenversicherung laufen lässt und dabei die Befürchtung hast, dass das doch irgendwelche negativen Konsequenzen haben könnte, hast Du die Möglichkeit, Dich diskret gegen Privatzahlung zu informieren und diagnostizieren zu lassen.

Die ca. 100-200 Euro für die Ersteinschätzung oder Erstuntersuchung (Anamnese, Befund) sind sehr gut angelegtes Geld. Auch ca. 200 Euro für eine juristische Erstberatung sind sehr wertvoll.
Und selbst, wenn Du eine längere Unterstützung oder gar Therapie brauchst, können 1500-2000 Euro über 12-18 Monate verteilt eine sehr sinnvolle Investition in Deine mentale Gesundheit und Resilienz sein.

Wenn Du mehr wissen möchtest, lies die weiteren Quellen unten und
ruf mich am besten an: 05103 672 4017

Alles Gute für Dich und Deinen Weg,

Dein Mario Hauff

[1]https://de.statista.com/themen/161/burnout-syndrom/
[2]https://www.anwalt.de/rechtstipps/psychotherapie-und-verbeamtung_108031.html
[3]https://www.aerzteblatt.de/archiv/170601/Lehrergesundheit
[4]https://info-beihilfe.de/verbeamtung-trotz-psychotherapie/
[5]https://www.jetzt.de/job/junge-lehrer-werden-nach-psychotherapie-nicht-verbeamtet